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Sprüche in prekären Situationen

David Jackson: „Ausgestoßen“

Von Susan Müller

 

Detective Doyle verliert innerhalb weniger Stunden zwei seiner Partner, Joe und Tony - beide in einen Hinterhalt gelockt. Da ihm noch eine alte Geschichte um seine frühere Partnerin Laura anhängt, die bei einem Einsatz getötet wurde, aus dem er einigermaßen unversehrt herauskommt, gerät er bald unter Beschuss durch seine Kollegen. Dann sind da noch diese Nachrichten, die durchblicken lassen, dass jeder, der sich in seiner Nähe länger als nötig aufhält, das gleiche Schicksal ereilt wie seine Partner. Er solle isoliert werden von der Gesellschaft.

Doyle wird auf dem Revier zunehmend geschnitten und sucht Hilfe bei seinen Informanten. Der Mörder macht vor nichts halt, ihm sind menschliche „Kollateralschäden“ vollkommen egal. So trifft es den Begriff Polizistenmörder nicht ganz.

Richtig aus der Reserve wird Cal Doyle gelockt, als man ihn ins Krankenhaus ruft, um seine Frau Rachel zu identifizieren, die Opfer eines Überfalls wurde. Doch wo war oder ist seine Tochter Amy? Das zugerichtete Opfer könnte seine Frau sein, kaum erkennbar, so entstellt, wie sie aussieht, wenn diese nicht plötzlich hinter ihm auftauchen würde: Aus demselben Grund hergerufen wie er. Angeblich sei ihm etwas zugestoßen. Erfreut über ihren unversehrten Zustand, beschließt Detective Cal Doyle, seine Familie vorübergehend zu verlassen. Ihm ist das Risiko einfach zu hoch, schließlich sind Rachel und Amy direkt und ständig mit ihm zusammen. Als er untertaucht und suspendiert wird, weil sich jeder seiner Kollegen in seiner Nähe unwohl fühlt, ermittelt er auf eigene Faust und mit Hilfe seiner Kontaktpersonen.

So vorsichtig er auch ist, der psychopathische Mörder ist ihm immer einen Schritt voraus. Sein Informant Spinner überlebt es nicht, dass er ein Treffen zwischen Cal und einem, der den Namen des Mörders zu kennen scheint, arrangieren will. Er stirbt unter qualvoller Folter.

Cals langjährige Dienstzeit bringt ihn mit Sonny Rocca zusammen, der Handlanger der Brüder Bartok, stadtbekannten Fieslingen, ist. Dieser Kontakt soll endlich Erlösung um den Namen des Psychopathen bringen, doch er bringt nur den Tod für einen der Brüder, Kurt Bartok. Rocca hat dies getan, aber warum? Cal kann kaum Zusammenhänge darstellen, die einen Sinn ergeben würden, bis er selbst Sonny Rocca erschießt mit seiner Waffe und Wut im Bauch.

Cal ist am Ende seiner Kräfte, als er den eigentlich verhassten Sergeant Paulsen aus der inneren Abteilung kontaktiert. Nach allen Ereignissen und Verbindungen kann es Cal kaum glauben, wen er überführen muss! Nie mehr wird sein Leben wie früher sein, er weiß jetzt, wie es sich anfühlt, wenn man einem alles zu nehmen versucht.

Cals Sprüche und Ansichten auch in prekären Situationen oder gar im Angesicht des Todes sowie der „Krimigehalt“ des Buches sind Garant für das Lesevergnügen.

Wenn auch die Vielfalt der mitwirkenden Personen und die Art, in der sie in den Fall verstrickt sind, manchmal verwirrend ist, mindern sie in keinster Weise die spannende Handlung, die Jackson dem Leser liefert, und es wirkt nicht unrealistisch, wie schnell Intrigen die Menschen manipulieren können.

 

David Jackson:

„Ausgestoßen“

Aus dem Englischen von Tanja Handels

rororo 2011

400 Seiten, Euro 9,99

ISBN: 978-3499256127

 

Hoch

 

 

In gewissen Wellnesshotels 

Lisa Gardner: Ohne jede Spur

Von Susan Müller

 

Jason Jones´ Frau Sandra wird vermisst. Sie ist entführt worden, ist sein erster und schmerzvoller Gedanke. Denn nur so ist ihr Verschwinden zu erklären, schließlich ist Tochter Clarissa, genannt Ree, noch in ihrem Zimmer vorzufinden. Und genau das ist der Punkt, warum Jason nicht an eine Auszeit oder einen freiwilligen Weggang glaubt.

Die Sergeants Warren und Mitller mit ihrem Team ermitteln. Der Ehemann und ein vorbestrafter Sexualverbrecher aus der Nachbarschaft sind deren Hauptverdächtige. Ehemann Jason verhält sich auch alles andere als unauffällig. Er versucht zum Beispiel alle Computer des Hauses von ihrem Inhalt zu befreien und, wo dies nicht zu seiner Zufriedenheit ausfällt, nimmt er den PC mit in die Redaktion, für die er tätig ist, damit die Ermittler nicht in seinem Heim direkt darüber stolpern. Was hat er denn zu verbergen?

Vernehmungen seiner Tochter verfolgt er mit ausdrucksloser Miene, er schläft kaum und übt sich gegenüber der Polizei, der Nachbarschaft, der Eltern- und Lehrerschaft (Sandra arbeitet als Lehrerin) beherrscht. Was steckt hinter all dem?

Im Laufe des Buches wird klar, auch Sandra hat ein Geheimnis. Sehr schön gemacht, diese kapitelweise selbst erzählen zu lassen. Da ihr Mann sie respektiert und schätzt, aber nicht als Frau so wahrnimmt, so dass er ihre sexuellen Bedürfnisse erkennt geschweige denn erfüllt, sucht sie Abwechslung in gewissen Wellnesshotels an manchen Wochenenden, wo sie sich von Typen abschleppen lässt, die sie danach nie wieder sieht.

Sandra selbst verfolgt einen schrecklichen Verdacht gegenüber ihrem Mann und lässt sich von einem Schüler, der sie sehr verehrt, den PC und seine Handhabung bis ins Kleinste erklären. Auch dieser gerät ins Visier der Polizei. D.D. Warren aber kommt nicht umhin, Jason im Blick zu behalten. Doch dann wird der vorbestrafte Sexualtäter Ardian getötet, vielleicht ein Racheakt? Sandras Vater ist plötzlich aufgetaucht, als er vom Verschwinden seiner Tochter hörte, um seine Enkelin unter seine Fittiche zu bekommen. Sandra lief im mit Jason davon, da er sie nie gegenüber seiner Frau, die Sandra quälte, schützte. Er liebte diese mehr als seine Tochter und verbarg sich hinter seiner Arbeit.

Jetzt greift er auch Jason an. Vorher wird noch ein Verehrer Sandras durch eine Autobombe getötet, der Sandra immer zu einer Trennung von Jason riet. Wer ist denn nun der Täter? Wer kann jetzt noch helfen, Sandra lebend zu finden?

Über spannungsgeladene Seiten führen uns die Ansichten und Empfindungen von Polizei, Jason, Ardian und Sandra bis zum Tag, als Sandra wieder in der Tür steht, als ihr Vater gerade Jason bedroht und sie Angst um ihre Tochter hat. Tatsächlich ist sie aus Selbstschutz und zum Schutz ihrer Familie vor dem hartnäckigen Liebhaber geflohen, der immer mehr zu Bedrohung ihrer kleinen Welt wurde.

Jason und Sandra werden gemeinsam ihre Vergangenheit begraben, denn jetzt kommt für den Leser auch ans Licht, dass Jason nichts mit Kinderpornografie oder ähnlichem zu tun hat, sondern auch sich selbst schützte, in dem er die Computer zu verstecken suchte.

Beide werden nach vorne schauen gemeinsam mit Tochter Ree und dem Leser, der bis zu Sandras Auftauchen nie sicher sein konnte, wer hinter all dem Bösen steckt, da irgendwo, irgendwer ein bisschen mitmischte. Tolle Handlung.

 

Lisa Gardner:

Ohne jede Spur. Thriller

Aus dem Amerikanischen von Michael Windgassen

Rowohlt 2011

544 Seiten, Euro 9,99

ISBN 978-3499255571  

 

Hoch

 

 

Spannungsgeladenes Finale

Patrick Lennon: Tod einer Strohpuppe

Von Susan Müller

 

Tom Fletcher und seine Kollegin Sal Moresby ermitteln  in einem sehr außergewöhnlichen Todesfall, Tod durch einen Schredder. Weder ist der Anblick ein schöner, noch gestaltet sich die  Suche nach dem Täter als einfach. Vielleicht stand ja auch der Tote zu nahe am Schredder und es war nur ein bedauerlicher und schrecklicher Unfall.

Plötzlich gibt es noch einen Toten, Tod durch Autounfall, oder steckt da mehr dahinter?

Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden auf eine Gesellschaft „The Wake“ und landen immer wieder bei einem Ritual „Hochzeit von Thinbeach“. Bei den Toten wird immer eine Strohpuppe gefunden, die die Ermittlungen in eine Richtung führt, nämlich zu einem Russen namens Iwan.

In einer Geschichte in der Geschichte wird darüber erzählt, wie Iwan seinen Vater verlor und seitdem auf der Suche nach den Verantwortlichen dafür ist. Iwan kann andere Menschen sehr gut und erfolgreich manipulieren, bis sie sich selbst im Weg sind, nur wird während der Aufklärung klar, er ist nicht der Mörder, wenn auch vieles danach aussieht und er auch derjenige ist, der das Ritual der Hochzeit, wo eine Strohpuppe symbolisch ertränkt wird, stören will, um den Tod seines Vaters zur rächen.

Die Ermittler stoßen aber letztendlich auf den wirklichen Übeltäter, de Michigan, der eigentlich mit einer kleinen Strohpuppe die Schauplätze der Todesfälle markiert und derjenige ist, der das jährliche Schauspiel instruiert.

Viele dunkle Geschichten und Geheimnisse werden während der Ermittlungen aufgedeckt und es ist dem Leser vergönnt, immer dann, wenn er meint, die Lösung ist da, noch einmal in ein spannungsgeladenes Finale einzutauchen. Denn Tom Fletcher hat ebenfalls eine Vergangenheit, die ihn droht heimzusuchen, davor muss er seine Familie schützen.

Für die einzelnen Geschichten im Detail sollte der Leser unbedingt das Buch selbst in die Hand nehmen, es lohnt sich auf jeden Fall, denn jede von ihnen wird in sich geklärt und enthält Lese (krimi) vergnügen bis zum Ende, wenn man auch zwischenzeitlich meint, den Faden zu verlieren, man wird als Leser bis zum Schluss dran (und mittendrin) bleiben.

 

Patrick Lennon:

Tod einer Strohpuppe

dtv 2010

384 Seiten, Euro 8,95

ISBN: 978-3423212311

 

Hoch

 

 

Der Leser hofft immer wieder auf einen Knalleffekt

Thrainn Bertelsson: Höllenengel

Von Susan Müller

 

Fundort von drei männlichen Leichen in einem Ferienhaus in Island. Der Anblick gleicht einer Hinrichtung, denn sie sind an die Wand genagelt oder gepfählt und in deren Nähe befinden sich Runenzeichen.

Kommissar Vikingur wird mit der Aufklärung betraut, nur wird er abgelenkt von den eigenen Sorgen. Seine Frau Pohildur, Gerichtsmedizinerin, greift um die Sorge ihres verschwundenen Sohnes aus erster Ehe, Magnus, heimlich wieder zur Flasche und noch heimlicher zu Beruhigungstabletten. Vikinger ist als ihr am nächsten Stehender sehr hilflos, sucht sie auch kein aufrichtiges Gespräch mit ihm.

Doch auch in Estland und den Niederlanden werden Tote gefunden, die mit Runenzeichen „gekennzeichnet“ sind.

Bevor man den Tätern überhaupt näher kommt, ermittelt die Polizei von Rejkijavik in der falschen bzw. einseitigen Richtung und Vikingur verliert seine Frau, die sich mit einer Überdosis der Tabletten selbst das Leben nimmt.

Sein Freund und Kollege Randover hilft bei den Ermittlungen und auch die Polizisten Dagny und Terje kommen dem eigentlichen Täter immer näher. Die Spur führt sie über eine Internetseite mit der Bezeichnung „Wohlverdiente Strafe“ zu einem Bekannten von Magnus, Karl Viktor, der auf einem Bauernhof lebt und besessen davon ist, Leute zu richten, die anderen mit Drogen das Leben verderben oder gar nehmen. Auf dessen Bauernhof wird Terje noch gepeinigt und auch Randover und Vikingur, die mittlerweile Edda, Karl Viktors Mutter, in die Hände gefallen waren.

Hier verliert Vikingur noch vor Erfassen des Täters, Karl Viktor, seinen Freund Randover.

Das Buch birgt Spannung, der Leser hofft auch immer wieder auf den Knalleffekt, um dann von dem Privatleben des Paares Vikingur und Pohildur in eine andere Ebene geschoben zu werden.  Wer sich für psychologische Details und Hintergründe interessiert, ist hier absolut an der richtigen Stelle, wer aber mehr Krimi und Explosivität erwartet, wird sich schwer durch manches Wirrwarr finden, denn er muss um Ecken denken und sich mancherlei Zusammenhang aus vorhergehenden Seiten ins Gedächtnis zurückrufen. Ein wenig mehr Spannung, die den Krimi an sich ausmacht, wäre auf jeden Fall toll gewesen, aber wer den Wechsel hin zur Verhaltensforschung liebt, ist hier genau richtig.

 

Thrainn Bertelsson: Höllenengel

dtv 2010

368 Seiten, Euro 8,95

ISBN-13: 978-3423212403

 

Hoch

 

 

Lust auf mehr

Jörg Juretzka: "Der Willy ist weg"

Von Susan Müller

 

Wenn einen die Blessuren, die unser Erzähler Kristof erleidet, nicht selbst betreffen, liest sich deren Beschreibung regelrecht amüsant. Kristof ist Privatdetektiv und anfangs erfahren wir noch nichts im Zusammenhang mit Willy. Sondern es geht um den Auftrag, ein Mädchen aus dem Drogenmilieu in  Amsterdam zu schaffen und den Eltern zurückzubringen. Dies weigert sich aber und Kristof kassiert eben besagte Prügel und muss Verstärkung holen und das schnell, denn sein Versprechen lautet, das Kind ist Weihnachten zurück. Gut, dass seine Freunde, die Bikerband Stormfuckers, nur Eckdaten wissen müssen und Kristofs Antlitz dazu, um ihre Stärken (im wahrsten Sinne des Wortes) und Zusammenhalt eindrucksvoll zu beweisen. Das Mädchen wird unter Protest und kleinen Zwischenfällen mit asiatischen Erdenbürgern ins nächste deutsche Krankenhaus gerettet.

Kristofs Freund wohnen gemeinsam mit ihm, und jetzt kommts, in Willys geerbter Villa. Willy, seines Zeichens ein quirliger, alles nicht so ernst nehmender Zeitgenosse. Selbst seine sexuellen Neigungen sind nicht klar definiert, außer das sie nicht von Dauer sind. Jörg Juretzka bestätigt, was ihm in einem einzigen Satz auf dem Buchrücken bescheinigt wird. Als Willy länger als 2 Tage verschwunden ist, kommt das Blut der Stormfuckers in Wallung und Kristofs Qualitäten als Privatdetektiv sind gefragt.

Welche Rolle spielt Roth-Bichler, der Vermögensverwalter von Willy? Kann Ragobert mit dem Lösegeld aushelfen? Für ihn arbeitet Kristof auch noch, da seine Filialeröffnung durch Anschläge in Gefahr geraten könnte und damit sein McDagobert. Die Lösegeldforderung für Willy kam gemeinsam mit fehlendem Finger.

Äußerst spannend und kein bisschen langatmig sind die beschriebenen kriminellen Weiten von Jörg Juretzkas Ausführungen. Man verliert trotz verschiedener Gruppen aus der Szene, die eine Rolle spielen, nie die Orientierung und den eigentlichen Kern der Sache – Willys Entführung. Langsam erkennt Kristof Zusammenhänge, die seine Freundin (bleibt länger, als je eine andere), der Vermögensverwalter, und auch der Ausbilder der Ironheads (gegnerische Bande) in einem anderen Licht erscheinen lassen, alle mit kriminellem Hintergrund.

Die Aufklärung für den Leser wird am Ende etwas hektisch, aber nicht weniger spektakulär, da alle betreffenden ihre angepasste Strafe erhalten. Großes Kino, macht Lust auf mehr Juretzka.

 

Jörg Juretzka:

„Der Willy ist weg“

Unionsverlag 2010

311 S., Euro 9,90

ISBN 978-3293204935

 

Hoch

 

 

Bis zur letzten Seite Spannung

Petra Ivanov: "Kalte Schüsse"

Von Susan Müller

 

Staatsanwältin Regina Flint und Kommissar Cavalli, der Häuptling seiner Abteilung, stehen sich nicht nur beruflich nahe. Vorrangig gilt es aber, Tötungsdelikte aufzuklären, die anfänglich in keinem Zusammenhang miteinander stehen. Das befriedigt die beiden und die dazugehörige Mannschaft nicht. Ein alter Bekannter, Lukasch, wird ein ums andere Mal vorgeladen, aber es gibt nichts Konkretes gegen ihn vorzubringen. Kollege P. hat die Ukrainerin Irina geheiratet, die vor ihrer Einreise in die Schweiz in zwielichtigen Kreisen verkehrte. Sie ist es auch, die Lukaschs Kontoverbindungen checkt und etwas Verdächtiges entdeckt. Als aber dann auch noch ihre Tochter Katja entführt wird, überschlagen sich die Ereignisse. Lukasch nutzt die Gelegenheit, Irinas altes Leben und die damit verbunden „Dienstleistungen“ aufflammen zu lassen und auszunutzen und gegen eine Auskunft seinerseits mit ihr zu schlafen, doch gilt diese Auskunft dem Konto und nicht der Entführung. Und die für sein Konto ist plausibel. Katja bleibt zwar verschwunden, doch langsam kommt Licht ins Dunkel der Ermittlungen. Die Ermordeten und auch Katja haben nur eine Sache gemeinsam, sie besitzen oder besaßen Matrjoschkas aus Russland oder der Ukraine. Und die jeweils Kleinste enthält Kokain.

Cavalli und Regina sind auf den Spuren des Verdächtigen und fahren in Eigenregie hinter diesem her. Cavalli wird beim Zugriffsversuch angeschossen, und Regina eilt ihm zu Hilfe. In letzter Sekunde trifft dann die Verstärkung ein und Cavalli kommt rechtzeitig ins Krankenhaus. Das Ereignis zeigt Regina wieder, wie viel er ihr bedeutet.

Neben dem spannenden Grundinhalt des Krimis lässt Ivanov das Persönliche nicht zu kurz kommen, einschließlich der Begebenheiten und Missverständnisse, die der Beruf mit sich bringt und welche Tücken daraus auch privat entstehen. Beide Chargen werden prima miteinander verbunden und des Lesers Wünsche vollends erfüllt. Bis zur letzten Seite verspricht das Buch Spannung und Nervenkitzel.

 

Petra Ivanov:

Kalte Schüsse: Ein Fall für Flint und Cavalli

Unionsverlag 2011

411 Seiten, 12,90

ISBN 978-3293205024

 

Hoch

 

 

Eine wirklich spezielle Gegend

Peter May: Blackhouse

von Lennart Ragmann

 

Der Protagonist ist ein Inspektor, der vor 25 Jahren eine der britischen Inseln tief in der Nordsee, zwischen Shetland und Schottland, verlassen hat und mit einer mittelmäßigen Karriere als Kriminaler bei der britischen Polizei begonnen hatte. Seine Ehe ist so gut wie kaputt, sein Sohn ist gestorben, und er ist danach zum ersten Mal zurück im Dienst. Er steht vor der Entscheidung – entweder er hört auf und macht was Richtiges. Die Idee: Aus der Welt seines Geburtsort. Bindeglied zwischen Einheimischen und der von außen kommenden Polizei. Er beginnt zu stochern, und alles zieht ihn in seine Vergangenheit.

Das klingt besser als es ist. Richtig spannend wird das nicht. Aber was diesen Krimi ausmacht, das ist die Atmosphäre, dies Traurigkeit, dieser stimmige Reminiszenz. Die Landschaft, die Personen sind sehr glaubwürdig und dieser verwirrende Rückblick in die Kindheitsjahre spannend. "Blackhouse" ist richtig unterhaltsam. Entgegen des wohlbekannten Strickmusters der Krimiwelt gibt es hier nicht den Helden, nicht den Spitzenbullen, sondern ein kleines, armes Schwein wie wir es alles sind. Ein wirklich spezielles Buch.

 

Peter May:

Blackhouse

gebunden, 464 S., Euro 19,95

Kindler 2011

ISBN 978-3463405964

 

Hoch

 

 

Ermittelt im Team

Alexander Köhl: "Opfertier"

Von Anne Spitzner

 

In Aschaffenburg werden kurz hintereinander zwei tote katholische Geistliche gefunden. Ermordet auf unterschiedliche Weise und nicht miteinander bekannt; doch beide nackt und beide unter ähnlichen Bedingungen aufgefunden. Robert Balser beginnt mit seinem Team zu ermitteln. Es machen ihm jedoch nicht nur die beiden Morde zu schaffen, sondern auch die Spannungen am Arbeitsplatz mit seiner neuen Kollegin und zu Hause mit seiner Lebensgefährtin und seinem Sohn.

Alexander Köhl hat mit „Opfertier“ einen soliden Kriminalroman geschrieben. Abgesehen von zwischenzeitlich etwas holprigem Stil, Wiederholungen am Satzanfang und zu abrupte Übergänge zwischen einzelnen Erzählpassagen ist sein Krimi handwerklich gut aufgebaut. Der Plot ist klar strukturiert und es gibt keine inhaltlichen Patzer – dafür allerdings auch keine besonders großen Überraschungen. Dadurch, dass parallel zur Handlung der Ermittlungen ein zweiter Erzählstrang existiert, der dem Mörder und seiner Kindheit vorbehalten bleibt, ist schon etwa ab Mitte des Buches erkennbar, wer der Mörder am Ende sein wird, sodass die „große Erleuchtung“ des Kommissars am Ende recht aufgesetzt erscheint. Dennoch ist „Opfertier“ angenehm zu lesen, denn auch, wenn man den Mörder bereits kennt, bleiben die psychologischen Hintergründe seiner Tat bis zuletzt fast vollständig im Dunklen, weswegen man statt über den Täter eher über das Motiv für die begangenen Morde nachgrübelt. Auch die Beziehungen zwischen den handelnden Personen – seien es nun Mörder und Opfer oder der Kommissar, seine Kollegin und sein häusliches Umfeld – sind gut herausgearbeitet, schlüssig und nachvollziehbar.

Was an „Opfertier“ jedoch nach und nach etwas negativ heraussticht, ist die nicht ganz gerechtfertigte Darstellung von Robert Balsers Lebensgefährtin Nina. Nina ist ebenfalls Polizistin und hat sich, wie es im Roman heißt, zum Raubdezernat versetzen lassen, weil die gemeinsame Arbeit die Beziehung der beiden beeinträchtigt hatte. Jedoch merkt man von Ninas Polizistendasein wenig; immer, wenn Robert Balser nach Hause kommt, ist sie bereits da, und obwohl es sein Haus ist, in dem sie wohnt, erledigt sie die ganze Arbeit, kocht und putzt und spricht beruhigende Worte, wenn er sich mit seinem Sohn streitet. Diese Beziehung ist, anders als die anderen, sehr eindimensional geraten und wenig dazu angetan, der Rolle einer berufstätigen Frau gerecht zu werden. Sicherlich ist Robert Balser die Hauptperson, aber auch dann müsste seine Lebensgefährtin ab und zu mal gestresst sein oder nicht alle seine Launen mit einer Engelsgeduld hinnehmen. Schließlich dauert ihre Beziehung schon ein paar Jahre.

Das jedoch ist nur ein kleines Manko, ein Detail, für den ganzen Krimi nicht weiter wichtig; und dieser ganze Krimi ist eine nette Unterhaltung für ein paar Abende.

 

Alexander Köhl: Opfertier

272 S., 8,95

rororo 2010

ISBN 978-3499253614

 

Hoch

 

     
 

copyright by krimikon

ISSN: 2191-527X