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Literarisches Spiel um Macht, Manipulation, Intrigen und Angst

Christopher G. Moore: „Der Untreue-Index“

Von Susan Müller

 

Privatdetektiv in Bangkok. Sicher kann man sich als Privatdetektiv Spannenderes vorstellen, als Ehepartner zu beschnüffeln, obwohl der Titel dies ja nicht ausschließt. Und wie wir feststellen werden, ist Untreue ein Auslöser für vielerlei Reaktionen im Leben.

Vincent Calvino, auch Vinny genannt, bekommt plötzlich aber einen anderen, weitaus spannenderen Auftrag von Anwalt Danielson, der ihn um eine Recherche bittet, die die Pharmazie betrifft und die Herstellung von Plagiaten, die der Arzneimittelbranche gefährlich werden können. Leider verstirbt Danielson urplötzlich, bevor Vinny ihm seine ausführliche Dokumentation überreichen und dieser ihn dafür entlohnen kann. So ganz möchte Vincent aber nicht auf sein sauer verdientes Geld verzichten, und so nimmt er einen Auftrag von vier Ehefrauen an, die ihren Männern hier in Thailand nicht trauen. Eine sicherere Geldquelle; vielleicht.

Dass die junge Thai Jazz aus dem Club die Geliebte Danielsons war, erfährt Vincent nebenbei im Laufe seiner Recherchen. Colonel Pratt, Freund Vincents und Polizist ist ihm behilflich, als das Pflaster, auf dem er sich bewegt, heiß wird. Vinny stößt nämlich bei den Bemühungen, seine Finanzen noch nicht ganz abzuschreiben, auf Lovell, einem aufstrebenden Anwalt mit einem fotografischen Gedächtnis, was nicht ganz ungefährlich ist. Nur hilft dieser erst nach anfänglicher Ablehnung. Er ist nicht mehr abgeneigt, als auch ihm übel mitgespielt wird und alle Beteiligten der eher guten Seite an derselben Stelle zum Stoppen kommen. Und hier führt dann kein Weg mehr an Weerawat vorbei. Der ist so mächtig, dass sogar Teile der Regierung nach seiner Pfeife tanzen und viele Menschen ähnlich Marionetten nach seiner Regie tanzen. Es bleibt natürlich zu erwähnen, dass das „Gute“ einen Teilsieg erringt. Einen Teilsieg: Die zwangsläufig neu gebildete Regierung, da man nach all den Enthüllungen an der alten nicht festhalten kann, ist froh, dass der Deckmantel des Schweigens Gras über die Sache wachsen lässt.

Auf welche Machenschaften Vinny noch stößt und was das leichte Mädchen aus dem Club unter seinem Büro getan hat, dass es sterben musste, ist eine kleine Auswahl der verschiedenen Fäden, die der Autor spinnt, um ein Knäuel entstehen zu lassen, das der Leser entfilzen muss, aber auf eine wunderbare Weise.

Es ist ein langer Krimi, aber keineswegs langatmig. Er verdient mehr Zeilen als die bisherigen, aber noch viel mehr verdient er, eigens gelesen zu werden.

Echt packend, das literarische Spiel um Macht, Manipulation, Intrigen und Angst auf der anderen Seite der Erde!

 

Christopher G. Moore:

„Der Untreue-Index“

Aus dem Englischen von Peter Friedrich

Unionsverlag 2011

360 Seiten, Euro 16,50

ISBN 978-3293004351

 

Die Rezensentin ist Thrillerautorin. Von ihr liegt vor: „Ausgebremst. Jugendthriller“ (Autumnus Verlag).

 

Hoch

 

 

Ein fremdgesteuertes Leben

Katrin Behr: Entrissen - Der Tag, als die DDR mir meine Mutter nahm

Von Susan Müller

 

Der Buchtitel lässt schon erahnen, dass ein Schicksal hinter ihm steckt. Wie schwerwiegend dieses Schicksal aber ein ganzes Leben beeinflusst, wird erst im Laufe des Buches klar.

Wir schreiben das Jahr 1974 in Gera (Thüringen) in der damaligen DDR. Katrin Behr ist noch keine fünf Jahre alt, als ihre Mutter von, in schwarze Mäntel gekleidete, Männern abgeführt wird. Sie hat keine Erklärung dafür und erst recht nicht, dass ihre Mutter, trotz des Versprechens, abends zurück zu sein, nicht bei der Oma abholt. Dann gibt auch noch die Oma während eines vermeintlich harmlosen Spaziergangs Katrin und ihren zwei Jahre älteren Bruder in einem Kinderheim ab und verschwindet.

Noch hofft Katrin auf die Rückkehr ihrer Mutter, aber die Hoffnung schwindet mit jedem Tag und dann taucht das Hausmeisterehepaar auf, mit dem sie zur Probe mitgehen soll. Alles ist besser als die sie verhöhnende Erzieherin und die Kinder, die dieses miese Spiel mitspielen. Katrin hat kein dickes Fell für die verletzenden Worte, sie ist tief getroffen. Aber das Ehepaar gibt Katrin im Kinderheim wieder ab, nicht zuletzt weil sie diesen offen gegenüber erwähnt, dass ihre Mama sie ja sonst nicht finden kann. Noch immer glaubt sie fest daran, dass diese zurückkommt und die Geschwister heim holt. Nur ist nach Katrins Rückkehr auf einmal auch Mirko weg. Im Nachhinein betrachtet, alles eine gezielte Aktion des damaligen Regimes? Und dann noch die, für Katrins Gemüt verheerenden Aussagen, der Erzieherin, ihre Mutter seine eine Staatsverräterin. Katrin selbst glaubt mit ihrem kindlichen Herzen, sie habe ihre Mama verärgert und sei nicht lieb gewesen, leider dementiert dies keiner in ihrer Umgebung.

Ein zweiter Ausflug zu einer Pflegemutter endet ebenfalls wieder im Heim. Natürlich ist Katrin inzwischen misstrauisch und hat bereits die Angst des Verlassenwerdens in sich.

Katrin Behr zieht ja in ihrem, sehr emotionalen und ungeschönten, Buch auch gleichzeitig Bilanz, so dass wir als Leser zwischenzeitlich schon erfahren, dass alles vom Staat mit Vorschriften versehen und kontrolliert wurde, nur kann ein Kind in Katrins Alter keine Zusammenhänge sehen, sie muss funktionieren und am besten keine Widerworte geben, damit man auch im Heim nicht dem Gespött der anderen preisgegeben wird.

Ein dritter Versuch scheint schließlich zu klappen, Katrin wird adoptiert von einer Lehrerin, die gleichzeitig Parteifunktionärin ist und einem Maurer, der sehr viel auf Montage ist. Letzterer versucht ihr seine Liebe und Zuneigung auch ohne viele Worte einfach zu zeigen, die Mutter allerdings verlangt eher Gehorsam, was nicht zuletzt ihrer Position geschuldet ist. Durch ihre Erziehung, gegen die sie zwar manchmal rebelliert, zweifelt Katrin im Großen und Ganzen aber nie am Regime.

Um der Gefühlskälte ihrer Adoptivmutter zu entkommen, die zunimmt, als ein „echter“ Stammhalter nach allen vergeblichen Hoffnungen doch noch die Familie bereichert, versucht es Katrin mit dem Ausbruch in die Ehe. Sie zieht zu ihrem Gatten, der Politoffizier ist,  nach Binz, erst an den Wochenenden und nach bestandener Krankenschwesterprüfung, gänzlich. Sie erfährt aber auch hier keine wirklich Liebe, in ihr keimt der Verdacht, der Karriere ihres Mannes dienlich gewesen zu sein, indem dieser in den Stand der Ehe trat. Und doch unterwirft sie sich förmlich immer wieder, auch der inzwischen auf der Welt seienden Kinder. Abgeschirmt von Zeitung und Fernsehen, was sie ganz bewusst selbst so wählte, erfährt sie erst einen Tag nach dem 09.11. vom Mauerfall und das nur, weil ihr Gatte eher von einem Lehrgang zurückkommt. Weil dieser nicht mehr notwendig ist. Olaf wird bald darauf auch in seinem Job nicht mehr gebraucht.

Katrin hat aus gesundheitlichem Klärungsbedarf, was ihren Sohn betrifft, Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter gesucht und nachdem ihre Adoptivmutter diesen auch herstellte, nachdem der Grund dafür bekannt war, liegt die Adresse trotzdem noch ein Jahr in der Schublade, bis sie sich überwindet. Ein Treffen kommt zustande und Katrin spürt sofort die verwandtschaftlichen Bande, so als wären nie Jahrzehnte dazwischen gewesen. Noch immer an die damalige DDR glaubend, kann sie dem sehr knapp gehaltenen Bericht der Mutter kaum glauben, was diese durchgemacht hat mit den Mühlen des Gesetzes. Ihre politische Weltanschauung, ihre Jugend und bereits Mutter von zwei Kindern von zwei verschiedenen Vätern und dem Über-Wasser-Halten mit Gelegenheitsjobs war dem Staat genug Grund, die Kinder der Mutter zu „Entreißen“ und seinen Organen zum Erziehen zu Übergeben, damit aus ihnen „anständige“ linientreue DDR-Bürger wurden. Aber die Haftbedingungen waren zudem äußerst grausam, nur um die Adoptionseinwilligung zu erzwingen, die man sich als Staat schon längst selbst erteilt hatte.

Hinter all das konnte man erst nach dem Mauerfall kommen, und Zusammenhänge ließen sich erst finden, nachdem auch noch Akteneinsicht genehmigt war. Es ist wirklich kaum zu glauben, dass hinter den sozialen Kulissen, eine derart brutale Vorgehensweise zu finden war, nur um eine bestimmte Wegbeschreitung vorzuschreiben. Man kann nur erahnen, was die Menschen durchgemacht haben, wenn einem sich beim Lesen sogar die Nackenhaare hochstellen.

Ich kann hier gar nicht alles wiedergeben, was Katrin Behr in ihrem Leben mitmachen musste und welche menschlichen Tragödien sie im Laufe der Zeit aufdeckte. Kein Wunder, dass die Erfahrungen ihres noch so jungen Lebens sie bis zur Aufarbeitung dessen immer unterschwellig begleiteten und eigentlich nie ein befreites, nicht fremdgesteuertes Leben zuließen.

Ich habe große Achtung vor diesem schriftstellerischen Werk, was nicht beschönigt, aber auch im Nachgang nicht nur negativ beleuchtet. Realistisch und spürbar für den Leser aus eigenen, er- und gelebten Erfahrungen heraus entstanden und eine sicher immense Hilfe für andere Betroffene.

 

Katrin Behr:

Entrissen

304 Seiten, Euro 16,99

Droemer Verlag 2011

ISBN: 978-3426275665

 

Hoch

 

 

Deutsch-österreichische Verhältnisse

Petra Hartlieb, Claus-Ulrich Bielefeld: „Auf der Strecke: Ein Fall für Berlin und Wien"

Von Maja Knorr

 

„Auf der Strecke. Ein fall für Berlin und Wien“ ist nicht nur wegen des Titels ein tolles Buch für eine Zugfahrt. Geschrieben von einem Autorenduo, was oft ja eine haarige Geschichte ist. Hier aber werden alle Probleme, die unterschiedliche Schreibstile hervorrufen können. Einen Part übernimmt die Wiener Kommissarin, den anderen der Berliner Kommissar. Die Charaktere, die Milieus sind dadurch unverwechselbar mit dem jeweiligen Autor verbunden. Das ist sehr reizvoll, dieses Wechselspiel, diese Beziehung untereinander, das Lösen des Falles - der eine mit Rückblenden in die Vergangenheit, ins schreckliche Berlin der Nachkriegszeit, zum Studium in den wilden Siebzigerm und jetzt in der wiedervereinigten Hauptstadt, die andere eine Karrieristin auf Wiener Art, mit Charme, aber nicht ganz unkompliziert und immer an der Grenze zur Antipathie. Zusammen treiben sie ein Katz- und Maus-Spiel. Eine wunderbar leichte Lektüre.

 

Petra Hartlieb, Claus-Ulrich Bielefeld:

"Auf der Strecke: Ein Fall für Berlin und Wien"

Diogenes Verlag 2011

358 Seiten, 10,90 Euro

ISBN: 978-3257240689

 

Hoch

 

 

Ungewöhnliche Konstellation

Stephan Pörtner: "Stirb, schöner Engel"

Von Anne Spitzner

 

Drei Morde, zwischen dem ersten und dem letzten liegen dreißig Jahre. Drei junge Frauen, auf bestialische Art und Weise umgebracht, nackt am Waldrand liegen lassen. Ein Mörder, dem scheinbar niemand etwas anhaben kann.

Die Konstellation in Stephan Pörtners Krimi „Stirb, schöner Engel“ ist ungewöhnlich: aus den meisten Krimis ist man es gewöhnt, den Täter mühsam suchen zu müssen und zuzusehen, wie die Polizisten ihn dann mit mehr oder weniger einwandfreien Mitteln dingfest machen. Hier ist es nicht so. Hier ist es ein wenig so wie in Columbo: Der Täter steht beinahe von Anfang an fest, der Leser und der Ermittler wissen, dass er es war, aber es gibt keine Beweise, die man ihm anlasten kann. Und alles, was die Polizisten versuchen, wird von oben abgeblockt. Der Täter hat Beziehungen in die höchsten Kreise. Es braucht einen zweiten, einen dritten Mordfall, es braucht einen Köbi Robert und seine Freunde, um ihn schließlich und endlich mit Ach und Krach zur Strecke zu bringen.

Nicht nur dies ist ungewöhnlich an „Stirb, schöner Engel“. Es dauert ein paar Seiten, bis man (als nichtschweizerische LeserIn) nicht mehr an dem leichten Schweizer Dialekt hängen bleibt; vorher muss man manche Sätze zwei Mal lesen. Das ist allerdings nicht schlimm, denn es sind grundsätzlich schöne, geschliffene Sätze, bei denen man sich über mehrfaches Lesen nicht weiter ärgern muss, wie es sonst manchmal der Fall ist.

Pörtner gelingt es, den Leser mitzureißen. Ob man aus Sicht des Dorfpolizisten die Nichtaufklärung des ersten Mordes miterlebt oder aus Köbi Roberts sich die des dritten, ist egal, auch, wenn Köbi in der Ich- Perspektive erzählt, während von Gion Kundert, dem Dorfpolizisten erzählt wird. Trotzdem ist man an Kunderts Geschichte nicht weniger beteiligt als an Köbis.

„Stirb, schöner Engel“ ist ein Buch, das einen über weite Strecken der Geschichte hinweg einfach nur wütend macht. Wie kann es sein, dass ein Mensch drei junge Frauen ermordet und allem Anschein nach damit davonkommt, nur weil er reich, arrogant und selbstbewusst ist und Beziehungen hat, die ihm weiterhelfen? Wie kann es sein, dass einer ungestraft morden, zusammenschlagen lassen, stehlen und erpressen darf, in einer Gesellschaft, die sich „Rechtsstaat“ schimpft? Dass andere dafür ins Gefängnis gehen, sich umbringen, weil sie es nicht aushalten, Jahre ihres Lebens verlieren, weil sie nicht so raffiniert und reich sind wie der tatsächliche Mörder? Pörtner gelingt es, diese Fragen aufzuwerfen und sie gleichzeitig weder unbeantwortet zu lassen noch allzu banale Antworten darauf zu geben. Kurz reißt er die psychologischen Hintergründe an, dehnt sie jedoch nicht seitenweise aus, bis es langweilig wird; eine gewisse Spannung ist immer vorhanden.

Genau das macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Bis man das Ende kennt. Und auch dieses ist nicht ganz das, was man erwarten würde.

 

Stephan Pörtner:

Stirb, schöner Engel

Bilgerverlag 2011

400 S., Euro 26,00

ISBN 978-3037620168  

 

Hoch

 

 

Uralte venezianische Familie

Nicolas Remin: Die letzte Lagune

Von Franz Xaver Ganghofer

 

Für jeden, der es nicht weiß: Venedig war kurze Zeit mal von Österreich besetzt. Das war vor der Zeit, als Garibaldi die italienische Nation begründete. Schon aufgrund dieses Settings ist dieses Buch kein politischer Schocker, es ist ein sehr origineller, feinsinniger Politthriller. Dreh- und Angelpunkt ist ein Kommissar, der einer uralten venezianischen Familie entstammt. Er ist in seiner Heimatstadt bei der städtischen Polizei tätig. Diese zeichnet sich dadurch aus, mit möglichst niemanden in Konflikt zu kommen, nicht mit den Italienern, nicht mit den Besetzern. Nur ein bisschen Kaffee trinken, aus. Doch dann ein Mord! Nicht irgendeiner, bei Kaiser und Papst laufen die Fäden zusammen. Nun mixt der Autor an Ingredienzien hinein, was Krimileser mögen: Tagebuchaufzeichnungen, echte und gefälschte, Gralsmythologie, alte Familiengeschichten, dunkler Katholizismus und Kaiserreich. Das alles geschieht amüsant, kurzweilig, durchaus oberflächlich - und immer Seite an Seite mit dem liebenswerten Kommissar.

 

Nicholas Remin:

Die letzte Lagune

geb., 368 Seiten, Euro 19,95

Kindler Verlag 2011

ISBN: 978-3463405308

 

Hoch

 

 

Mafiöses, blutiges Finale

Raúl Argemí: "Und der Engel spielt dein Lied"

Von Bettina Meinzinger

 

Im Sommer 1978 wird in Argentinien die 11. Fußballweltmeisterschaft ausgetragen. Am 25. Juni besiegen die Gastgeber im Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti die Niederlande 3:1 und Argentinien ist somit zum ersten Mal Weltmeister. Zur selben Zeit befindet sich das Land unter einer Militärdiktatur, die von den Machthabern euphemistisch als Proceso de Reorganización Nacional bezeichnet wird, als Prozess der nationalen Reorganisation. Linke Guerillas leisten bewaffneten Widerstand gegen das Militär, es gibt zehntausende von Todesopfern. Argemí war selbst Anhänger der Guerilla, zehn Jahre lang saß er deshalb im Gefängnis, wo er körperlichen und seelischen Folterungen ausgesetzt war.

Vor diesem Hintergrund spielt sein jetzt auch in deutscher Übersetzung vorliegender Roman.

El Negro ist jung, als er den Polaco kennenlernt. Von einem nach Putzmittel miefenden Hinterzimmer aus, leitet der in die Jahre gekommene Mafiosi seine Geschäfte. El Negros erster Deal, einen Drogenkonvoi über die chilenische Grenze zu überführen, scheitert. Auch die Begegnung mit der Paraguaya, einer Frau wie ein „prächtiges, wundervolles Tier“ mit „reifen, schweren Brüsten“, die direkt einer Altherrenphantasie entsprungen zu sein scheint, wird ihm kein Glück bringen.

Nach Jahren im Knast treffen sich El Negro und der Polaco wieder. Wie ein Großteil der argentinischen Bevölkerung hat er europäische Wurzeln, von denen er dem El Negro zu erzählen beginnt. Was scheinbar harmlos beginnt, endet in einem blutigen Finale.

Aus verschiedenen zeitlichen Perspektiven erzählt Raúl Argemí nicht nur die Geschichte des ewigen Verlierers El Negro, nebenbei erfährt man auch ein wenig über Korruption, Terror und die jüngere Geschichte Argentiniens.

 

Raúl Argemí: Und der Engel spielt dein Lied

186 S., Euro 16,90

Unionsverlag 2010

ISBN 978-3293004184

 

Hoch

     
 

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ISSN: 2191-527X