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Phantastischer Krimi mit furiosem Finale

Kerstin Herrnkind: Mein Mann der Mörder

Von Susan Müller

 

Xenia ist fassungslos, welches Monster hatte sie da geheiratet. Ihr ist sofort klar, dass ihr Mann mit der Entführung der vermissten Antonia zu tun hat und natürlich erst recht mit ihrem Tod.

Das alles berichtet sie auch der Polizei und fühlt sich selbst als Opfer, denn nirgends ist sie jetzt sicher vor den Blicken der anderen und vor allem vor neugierigen Journalisten. Das alles hält sie nur mit Tabletten durch. In ihrem Dämmerzustand erinnert sie sich an ihre Liebesbeziehungen bisher. Da war noch Peter, der Geistliche, der sie, noch jugendlich, gefügig macht, indem er sie glauben lässt, sie sei trotz ihres Alters das wichtigste für ihn. Viel später wird ihr klar, dass das eine Art des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen war. Ihrer Mutter, die keine Gefühle für sie hegt, ist sie total gleichgültig, so dass Peter leichtes Spiel hat. Im Flugzeug trifft sie auf Tobias, einiges älter als sie, aber sie kann sich die Zukunft mit ihm vorstellen und wird seine Frau.

Und nun das, soweit wäre ihre Vorstellung nicht gegangen, dass er sich an jungen Mädchen vergreift. Zu alldem verliert sie ihren Job in der Agentur und das natürlich zu Unrecht, ihr wird die ihr angebotene Auszeit ob der Ereignisse zum Vorwurf gemacht. Also man kündigt ihr, obwohl ihr frei angeboten wurde. Der Leser hält dies logischerweise genauso wie Xenia für total ungerecht.

Xenia fühlt sich immer und überall verfolgt, von Journalisten, von Einbrechern, überall lauert jemand. Da in ihr auch der Verdacht keimt, Tobias wäre trotz seiner Flucht bei ihr gewesen und hätte Schmuck entwendet, beschließt sie, dass er eine eventuelle neue Rückkehr nicht überleben wird.

Eine andere Geschichte in der Geschichte dreht sich um einen der Journalisten, die gern mit Xenia über deren Verdacht gesprochen hätten, dass ihr Mann ein Mörder sei. Basti ist nämlich über Xenia gezogen zu Kristina, in die er sich verliebt hat. Meist an seiner Seite ist Kumpel und Fotograf Matzke. Xenias Angstattacken erlebt Basti nun live mit.  Seine Karriere als sogenannter „Freier“ im Verlag will er allerdings beenden, als er erfährt, dass er Papa wird und es ihm nicht gefällt, wie sein Chef Schlagzeilen machen will und mit ihm und Matzke umspringt.

Doch kaum hat er gekündigt, verunglückt sein Chef und ihm wird dessen Nachfolge angeboten. Er nimmt an, ist so die finanzielle Situation als werdender Familienvater gerettet.

Xenia hat sich eine Frist gesetzt, bis wann sich Tobias bei ihr gemeldet haben muss, um ihn zu töten, all das Leid, was er über andere gebracht hat, kann schließlich nicht ungesühnt bleiben. Doch in dieser Frist erscheint er nicht, aber einen Tag später, taucht er bei ihr auf. Obwohl sie gerade ein neues Leben beginnen will, mit dem Mann, der ihr von anderen schlechten Seiten aus der Jugend ihres Mannes berichtete, kommt Tobias daher.

Vertrauen und Mitleid heuchelnd setzt Xenia ihren mörderischen Plan um, betäubt ihn mit K.o. Tropfen und begräbt ihn lebendigen Leibes, um ihm dann auch noch das Gesicht zu zertrümmern. Einmal Blut geleckt, will sie sich direkt noch an ihrem Peiniger von einst, Peter, rächen. Mit dessen Tod wird sie aber nicht in Verbindung gebracht, aber die Spuren für den von Tobias reichen aus, um diese auf sie zurückzuführen.

Jetzt aber wird es noch mal total spannend, meint der Leser sicher, sie bekäme mildernde Umstände, da sie schließlich ein junges Mädchen rächte, wird ihm jetzt in atemberaubender Weise die Wahrheit offeriert. Xenia leidet an Paranoia. Tobias hat nichts getan, er hat ein wasserdichtes Alibi für die angebliche Tatzeit und Antonia wird lebend gefunden, sie hat sich mit einem Liebhaber aus dem Staub gemacht.

Phantastischer Krimi mit einem furiosen Finale, mit dem der Leser nicht rechnen konnte. Klasse.

 

Kerstin Herrnkind:

Mein Mann der Mörder

Grafit Verlag 2011

320 Seiten, 8,99 Euro

ISBN 978-3894253820

 

Hoch

 

 

Gänsehautfeeling

Garry Disher: Beweiskette

Von Susan Müller

 

Inspector Challis muss sich eine Auszeit nehmen, um sich um seinen kranken Vater zu kümmern. In dieser Zeit übernimmt Ellen Destry, und in ihre Zuständigkeit fällt die Kindesentführung der kleinen Katie Blasko. Im Zuge der Aufklärung stolpert die Ermittlerin über die verschiedensten Verdächtigen und Ungereimtheiten. Ihre Kollegen Kellock und van Alpen machen leider ab und an ihr eigenes Ding. Dazu gehört die buchstäbliche Jagd auf die Familie Jarrett und im besonderen deren Hauptakteur Nick. So wissen sie auch, wann sie ihn wo antreffen können. Im Zuge einer, wie sich später herausstellt nicht ganz sauber gelaufenen Schießerei kommt Nick durch eine polizeiliche Kugel ums Leben. Das erfreut dessen Familie als solches nicht gerade, wenn auch sein Onkel die Meinung vertritt, dies musste früher oder später so kommen. Laurie Jarrett hat mit Ellen zu tun, da auch seine Tochter Aysha sich sonderbar verhält und sich ein Zusammenhang mit der von Ellen bearbeiteten Kindesentführung erschließen könnte.

Einen entscheidenden Hinweis gibt schließlich verschämt Scobie Sutton, der zu Ellens Team gehört. Seine Frau ist ebenfalls einer Agentur auf den Leim gegangen, die Tochter Ruth eine große Karriere voraussagt und sich Fotos mit einer Stange Geld bezahlen lässt. Auch die anderen Familien der entführten oder misshandelten Kinder waren dort Kunden. Die Schlinge zieht sich zu.

Ellen selbst holt sich immer mal wieder Trost und Rat bei Hal Challis, den sie immer mal anruft, da er sich ja viele Kilometer entfernt befindet. Dieser hat zusätzlich zur Sorge um den Vater noch das ungeklärte Verschwinden seines Schwagers aufzuklären. Zumindest will er das, was bei den Zuständigen vor Ort nicht auf Wohlgefallen stößt.

Noch während seines Aufenthaltes stirbt der Vater, doch Hal reist nicht ab, jetzt will er es wissen und nicht gen Heimat fahren, bevor ihm Ergebnisse in der anderen Sache vorliegen, die ihm plausibel erscheinen. Hal muss Umwege gehen, dabei kommt auch seine Jugendliebe Lisa ins Visier.

Voller Spannung und mit Gänsehautfeeling stellt Garry Disher die Polizeiarbeit auf den Prüfstand mit Licht- und Schattenseiten. Unglaublich, wie er die Charaktere darstellt, ohne beim Leser Verdacht zu wecken oder voreilige Schlüsse zu wecken. Er beleuchtet die verschiedenen Gesellschaftsschichten und überführt sie letztlich.

Gut, dass Garry Dishers Werke in die deutsche Sprache übersetzt wurden und damit dem hiesigen Leserpublikum zugänglich gemacht werden!

 

Gary Disher:

Beweiskette: Ein Inspector-Challis-Roman

Unionsverlag 2011

439 Seiten, 12,90 Euro

ISBN 978-3293204973

 

Hoch

 

 

Gelegenheitsgauner, Gelegenheitsdetektiv

Patrick Pécherot: Nebel am Montmartre

Von Anne Spitzner

 

Im Paris in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist es nicht leicht, ein anerkannter Poet zu werden – und davon leben zu können. Das muss auch Pipette erfahren, ein junger Mann aus der Provinz. Weil das Dichten ihn nicht ernährt, weicht er mit ein paar Kumpanen auf unpoetischere – und kriminelle – Gelegenheitsjobs aus. Doch in dem Safe, den sie knacken, liegt eine Leiche …

Hieraus ergeben sich Verwicklungen, die bis in allerhöchste Kreise führen und Pipette mehr als einmal fast den Hals kosten. Und es entsteht ein Drang in ihm herauszufinden, weswegen der Tote im Safe sterben musste. Aus dem Gelegenheitsgauner Pipette wird der Gelegenheitsdetektiv.

Der Leser steckt bei Pipettes Geschichte mittendrin. Wenige können sicherlich behaupten, im Paris der 1920er Jahre gewesen zu sein, aber wenn man Pécherots Buch liest, fühlt es sich wie eine Zeitreise an. Es sei eine Hommage an Léo Malet, den Erfinder von Nestor Burma, und das Ambiente des Kriminalromans spiegelt dieses Ziel wider. Die Adeligen sind Schurken, die Dienstmädchen hübsch und ein klein wenig zügellos und der Kleine Mann hat auszubaden, was die Großen anrichten – seien es nun harte Arbeitsstunden in der Fabrik oder ein Toter im Safe. Doch Pipette lässt sich nicht unterkriegen. Gemeinsam mit ihm kann man als Leser die Pariser Unterwelt, Halbwelt und Oberschicht beobachten, kann Schlüsse ziehen, kombinieren und am Ende doch wieder alles über den Haufen werfen, um von vorn anzufangen. Ein sehr guter, klassischer Detektivroman, spannend auch unabhängig von seinem historischen und nostalgischen Hintergrund; ein Buch, auf das man sich freut und das einem die winterlichen Verspätungen von Bus und Bahn mehr als nur erträglich gestaltet.

 

Patrick Pécherot:

Nebel am Montmatre

192 Seiten, Euro 14,90

Edition Nautilus

ISBN: 978-3894017200

 

Hoch

 

 

Mystery

Phil Rickman: "Der Turm der Seelen"

Von Anne Spitzner

 

Merrily Watkins, die „Beraterin für spirituelle Grenzfragen“ des Bistums Herefordshire, muss sich gleich mit zwei Problemen auf einmal auseinandersetzen. Das erste ist ein vierzehnjähriges Mädchen, deren streng religiöse Eltern glauben, es sei von einem Geist besessen, und ein altes Hopfenfeld mit dazugehöriger Darre, auf dem ein Geist umgeht. Der vorherige Besitzer des Hopfenfelds ist erschlagen worden. Doch der jetzige Besitzer verhält sich nicht gerade wie ein Mensch, der nur den Geist in seinem Haus loswerden will; stattdessen informiert er die Medien und inszeniert sich als Verfolgten. Auch der andere Fall ist nicht gerade dazu angetan, Merrilys Vertrauen zu wecken; schließlich kann ein vierzehnjähriges Mädchen auch andere Gründe haben als Besessenheit, seinen Eltern nicht mehr alles zu erzählen und aufs Wort zu gehorchen. Doch die beiden Fälle stellen sich als schwieriger heraus als erwartet. Merrily muss alle Kräfte aufbieten, um ihrem Auftrag gerecht zu werden.

Neben dem Mystery - Handlungsstrang jedoch entwickeln sich noch weitere. Einer davon ist ein deutlich realistischerer als der eines Exorzismus, denn es geht um ein tatsächliches Verbrechen, das sich vor vielen Jahren zugetragen hat. Die Ermittlungen in diesem Fall gehen schleppend voran, weil den Protagonisten, Merrily und ihrem Freund Lol, alles mögliche verheimlicht wird. Die Bewohner des kleinen Dorfes halten ihre Geschichte so argwöhnisch unter Verschluss wie ein Drache sein Gold.

Als Mysterythriller kann man „Der Turm der Seelen“ nicht bezeichnen, dafür ist er ein wenig zu beschaulich und gemütlich. Nicht, dass es stören würde. Rickman nimmt sich viel Zeit, um in die Hopfenzeit einzuführen und seine Protagonisten zu entwickeln. Doch in diesem Fall ist es besser so, als wenn er krampfhaft versuchen würde, Fahrt aufzunehmen á la Dan Brown. Eher ist es ein Agatha-Christie-ähnlicher Mystery-Roman, zum Kombinieren und Knobeln, und am Ende doch mit einem Ausgang, mit dem man nicht so richtig gerechnet hat. Weil aber die Atmosphäre des Romans so tiefgängig ist, kann man sich ohne Weiteres hineinvertiefen und erst wieder auftauchen, wenn der Zug anhält, das Telefon klingelt oder die Pause vorbei ist.

Phil Rickman hat mit „Der Turm der Seelen“ ein (weiteres) Buch für einen gemütlichen Abend auf dem Sofa geschrieben. Wenn es draußen dunkel ist, läuft einem beim Lesen manches Mal ein kleiner, aber noch harmloser Schauer den Rücken hinunter. Dieses Buch hält den Leser beim Lesen wach und nach dem Lesen nicht vom Einschlafen ab – man könnte also sagen, dass Rickman genau die richtige Mischung für einen Mysteryroman gefunden hat.

 

Phil Rickman:

Der Turm der Seelen

624 S., Euro 9,95

rororo 2010

ISBN 978-3499253331

 

Hoch

 

     
 

   copyright by krimikon

ISSN: 2191-527X