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Knietief im Morast

Walter Mosley: „Manhattan Karma. Ein Leonid-McGill-Roman“

Von Bettina Meinzinger

 

Der Ärger ging wieder los, als Leonid McGill den Auftrag bekommt, vier Männer, die vor etlichen Jahren, als Teenager, dem Unfalltod eines Bekannten beiwohnten, ausfindig zu machen. Aber nach und nach tauchen deren Leichen auf.

Eigentlich wollte er nur noch saubere Fälle übernehmen, doch die bezahlen erstens nicht immer die Miete, und zweitens ist es nicht so leicht, die Schatten der Vergangenheit abzuschütteln.

McGill, Privatdetektiv, steckt immer noch knietief im Morast.

Seine zahlreichen Kontakte mit Männern aus der New Yorker Unterwelt, wie Tony, the Suit, der, auf der Suche nach einem mysteriösen A-Mann, ebenfalls McGills Dienste beansprucht, sind ihm mittlerweile ein Klotz am Bein. Eigentlich sehnt er sich nach Moral und einem anständigen Leben. Auch privat findet er keine Ruhe. Die Ehe ist nur noch eine Farce, sein pubertierender Sohn Twill, den er vergöttert, was bisweilen wunderliche Züge annimmt, ist nicht nur clever, sondern neigt auch zur Delinquenz und könnte bald – ohne väterliches Eingreifen - in ziemlichen Schwierigkeiten stecken.

Er selbst kommt meistens mit einem dick angeschwollenen, blauen Auge davon, doch fortwährende Albträume sind ihm garantiert.

 

„Manhattan Karma“ ist der erste Teil von Walter Mosleys neuer Leonid-McGill-Reihe. McGill ist der zähe Typ, der ständig in der Scheiße steckt, der durchaus schon mal ein kluges Buch gelesen hat und für seine Familie sorgt, aber eben auch den Serienkiller oder den „gefährlichsten Mann“ New Yorks zu seinem entfernten Bekanntenkreis zählt. Die Guten sind nicht nur gut, und die Bösen nicht nur böse, überraschen wird das niemanden mehr, der Charakter McGill jedoch ist wenigstens nicht ganz uninteressant.

 

Walter Mosley:

Manhattan Karma: Ein Leonid-McGill-Roman

Aus dem Amerikanischen von Kristian Lutze

389 Seiten, Euro 9,95

Suhrkamp 2011

ISBN 978-3518462553

 

Hoch

 

 

Wirklich spannend

Thomas Pollan: Die Strafe Gottes

Von Anne Spitzner

 

Die UN- Biowaffenkonvention ist ins Stocken geraten. Belarus, ein ehemaliger Satellitenstaat der Sowjetunion, blockiert die Verhandlungen. Der UN- Generalsekretär und sein Stab befürchten Schlimmes: In Belarus wurde zur Zeit des Kaltes Krieges mit Biowaffen experimentiert. Jack Wilda, ehemaliger UN- Agent, soll die Konvention retten. Es gibt da nur ein kleines Problem: Wilda ist ein wandelndes Wrack…

Dies ist die Ausgangssituation von Thomas Pollans spannendem Thriller „Die Strafe Gottes“. Im Laufe der Zeit erfährt der Leser mehr über alle Beteiligten, über Jack Wilda, über die belarussische Regierung, über die Angehörigen eines mächtigen Verbrechersyndikats. Diese Informationen werden jedoch in so appetitlichen Häppchen serviert, dass man nie alles erfährt. So schafft Pollan es, dass es unmöglich wird, sein Buch aus der Hand zu legen.

Biologische Kriegsführung ist sehr gruselig. Allein schon das Thema lässt Gänsehaut entstehen: die belarussische Regierung hat es geschafft, einen Pesterreger in die Hände zu bekommen, der mutiert und noch wesentlich aggressiver ist als derjenige, der im Mittelalter ein Drittel bis die Hälfte der europäischen Bevölkerung dahingerafft hat. Um Europa zu schwächen und in die Hände zu bekommen, lassen die skrupellosen Belarussen und ihre verbrecherischen Verbündeten den Pesterreger auf Europa los. Noch während Jack Wilda versucht, seine Schwierigkeiten zu bewältigen und die Biowaffenkonvention zu retten, bricht in Europa die Pest aus. Und es scheint kein Gegenmittel zu geben.

Thomas Pollans Held Jack Wilda schwankt hin und her zwischen Held und Antiheld. Er muss ein Held gewesen sein, bevor im Sudan das Schrecklichste über ihn hereinbrach, was man sich vorstellen kann; jetzt ist er ein Antiheld, trinkt, schläft nicht und wird von Angstattacken gepeinigt. Im Verlauf der Geschichte jedoch kehrt sein Heldentum ein Stück weit zu ihm zurück: es gibt wieder Menschen, für die er kämpfen muss. Die tröstliche Botschaft dieser Entwicklung: kein Schmerz dauert ewig.

Ob Wilda es trotz aller Hindernisse schafft, seine Freunde zu retten und Europa vor der Pest zu bewahren, bleibt beinahe bis zur allerletzten Seite unklar. Es zeichnet sich eine gewisse Entwicklung ab, doch bis zuletzt kann sie noch umgeworfen werden. So legt man „Die Strafe Gottes“ einfach nicht weg – bis man die letzte Seite gelesen hat. Und dann ist man fast ein wenig enttäuscht, dass man Jack Wilda und die anderen Protagonisten wieder loslassen muss und sie nicht noch ein Stückchen begleiten kann. Denn leider sind wirklich spannende Bücher dann doch irgendwann zu Ende. 

 

Thomas Pollan:

Die Strafe Gottes

Salis 2011

326 S., Euro 24,90

ISBN 978-3905801439

 

Hoch

 

 

Gespaltene Persönlichkeit

Raúl Argemí: "Chamäleon Cacho"

Von Susan Müller

 

Dies ist ein Buch, das sicher nicht unbedingt jedermanns Geschmack trifft. Raúl Argemí beherrscht das Spiel mit dem Leser, der sich zwischen mehreren Erzählern hin- und hergerissen fühlt.

Ein Journalist und ein mutmaßlicher Verbrecher teilen sich ein Krankenzimmer. Dem einen  ist ungemein daran gelegen, soviel wie möglich aus dem anderen herauszubekommen, da er eine ultimative Geschichte wittert. Der Leser erfährt von Missetaten und einer gespaltenen Persönlichkeit, hinter der man Verbrechen tarnt.

Viele Namen und Berufsgruppen machen das Chamäleon aus, hinter dem der Polizist Federico her ist. Nur welche Rolle spielt dabei der Journalist und sein Unfall? Ist der zweite Mann im Krankenhaus, der im Sterben liegt, auch der Gesuchte?

Keinesfalls langweilig, dem Verwirrspiel zu folgen, nur länger dürfte es nicht dauern. Interessant dabei ist, den Leser erwartet keine Lösung, er wird in weitere Fragen verwickelt und aus dem Buch in seine eigene Phantasie entlassen. Dem geübten Krimileser allerdings wahrscheinlich ein Genuss.

 

Raúl Argemí: Chamäleon Cacho

Unionsverlag 2010

156 S., Euro 8,90

ISBN 978-3293204959

 

Hoch

 

     
 

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ISSN: 2191-527X