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das politische kulturmagazin
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Ver- und Entwirrungen Ina May: "Der 6.Fehler" Von Susan Müller
Die Kulisse Oberhof ist für den Biathlonsport mehr als geeignet, und der Oberhofer Biathlet Ali Wolf ermöglicht als Berater mit seinem Insiderwissen den Einstieg in die Biathlon-Welt. Caspar Brandt ist "Privatschnüffler", so nennt er sich selbst.Die Fortsetzung seiner Kripolaufbahn. Aufträge und damit Geld kommen eher sporadisch, verfügbare Finanzen gehen daher lieber gleich an seine Vermieterin, Frau Eusebia. Und da, plötzlich, ein Auftrag von Chris Harte, dem Sportjournalisten! Der will mehr zu der Leiche, die in der Wolfsschlucht (die zur Wettkampfstrecke gehört) erfahren. Ein Athlet ist bei einem Sturz buchstäblich über diese gestolpert und als der kreidebleich den Abhang wieder heraufklettert und sein blasses Gesicht von den Kameras eingefangen wird, vermutet noch jeder der eigentliche Sturz sei schuld. Der wirkliche Grund ist zu diesem Zeitpunkt absolut geheim. Doch Caspar Brandt wäre nicht Caspar Brandt, würde er dies so hinnehmen und begibt sich auf die Lauer und damit auch in Gefahr. Er will es wissen: Was hat wirklich Nico Vormanns regelrechte Leichenblässe ausgelöst? Caspar findet in alten Zeitungsausschnitten noch einen Selbstmord des Biathleten Jo Kurz von vor 2 Jahren. Wusste der jetzige Tote, Linus Moritz, zu viel und musste deshalb sterben? Chris Harte gibt Caspar den gutbezahlten Auftrag, näher an das Geschehen heranzurücken und dieser übernimmt den Fall offiziell. Dann ist da noch Jutta Eisenreich, Pathologin und (Ex-) Freundin Caspars, und sie wird ihm behilflich sein. Es sind spannende, zum Mitfiebern anregende Ver- und Entwirrungen rund um die Biathleten Nico Vormann, Linus Moritz, Frank Ringel und ihr damaliges Spielchen oder gar Verbrechen im Zusammenhang mit Jo Kurz. Denn war dies vielleicht gar kein Selbstmord? Caspar kommt scheibchenweise zur Lösung des Falls, und dank seiner guten Nase stellt er messerscharf Verbindungen und Zusammenhänge fest. Teilweise versucht ihm sein früherer Kollege und Kommissar Ingbert Reif in die Quere zu kommen, aber das entschärft sich insofern, dass sie zwar nie Freunde werden, aber mehr oder minder friedlich koexistieren. Als Caspar Brandt bei einem brisanten Vorhaben mit dem immer blassen Assistenten von Jutta Eisenreich verletzt wird, schließt sich der Kreis und ausgerechnet Chris Harte hat die Biathleten auf dem Gewissen, nur sind dies nicht seine einzigen schmutzigen Taten. Tolle Story mit Spannung und Witz und um die Eigenheiten und den Scharfsinn eines Privatschnüfflers und den manchmal eigenwilligen und egozentrischen Weg weniger, ich betone eher seltener übermäßig ehrgeiziger Menschen!
Ina May: "Der 6.Fehler" Buchstabler Verlag 2012 292 Seiten, Euro 9,95 ISBN 978-3981302608
Die Rezensentin hat zuletzt mit "Ausgebremst" (ISBN 978-3-938531-51-8) einen Jugendthriller, der im Biathlon-Milieu spielt, veröffentlicht.
Brillanter Detektivroman Anthony Horowitz: "Das Geheimnis des weißen Bandes" Von Anne Spitzner
Wenn man nicht wüsste, dass dieser Sherlock-Holmes-Fall nicht von Sir Arthur Conan Doyle persönlich stammt, sondern vom britischen Bestseller-Autor Anthony Horowitz, man könnte es glatt vergessen. Und wenn man erstmal richtig tief drinsteckt, mit dem Kopf in der Geschichte, mit der Nase im Buch, passiert es leicht. Mir ist manchmal erst beim Zuschlagen des Buches wieder eingefallen, was ich hier eigentlich lese – Horowitz’ Sherlock Holmes ist nicht irgendeine Kopie, sondern er IST Sherlock Holmes, mit all seinen Eigenheiten, mit den merkwürdigen Fragen, deren Zusammenhang sich erst viel, viel später klärt, mit der Angewohnheit, für seinen guten Watson in Rätseln zu sprechen, mit jenem Hang zur Dramatik und der Weigerung, sich von irgendwelchen gut gemeinten Ratschlägen von seinen Ermittlungen abbringen zu lassen. Und wie Horowitz es schafft, dass aus zwei scheinbar zusammenhanglosen Fällen EIN Fall wird – genial. Nett sind auch die vielen Anspielungen auf frühere Fälle von Sherlock Holmes, bei denen Kenner dann raten können, auf welchen sie sich beziehen. Vieles erkennt man wieder – und alles Neue wird so geschickt eingeflochten, dass man es fast nicht bemerkt. Viel besser sind jedoch die Anspielungen, die Watson in seinem Vorwort auf Fälle macht, die bisher noch nicht zu Papier gebracht wurden – weil sie zu brisant für die Öffentlichkeit des viktorianischen Englands waren. Auch dieses Manuskript soll laut Vorwort erst 100 Jahre nach dem Tod des Verfassers geöffnet werden. Zu Recht, wie man allerdings erst nach einiger Zeit begreift. Der Fall ist äußerst schockierend – und man darf behaupten, dass er zur Zeit Conan Doyles tatsächlich nicht veröffentlicht worden wäre. Aber zum Glück leben wir nicht mehr in der damaligen Zeit, sondern heute – und können einen brillanten Detektivroman um den größten Detektiv aller Zeiten genießen.
Anthony Horowitz "Das Geheimnis des weißen Bandes" Gebunden, EUR 19,95 Insel Verlag, 350 S. ISBN 978-3458175438
Es bleibt das Gefühl zurück, man sei wirklich selbst dabei gewesen Phil Rickman: "Die Gebeine von Avalon" Anne Spitzner
Mit „Die Gebeine von Avalon“ legt Phil Rickman, bekannt durch die Merrily-Watkins-Reihe, seinen ersten historischen Roman vor. Und der hat es gleich in sich. Die Sagen von Artus, Camelot und Avalon treffen auf die Zeit der berüchtigten religiösen Umwälzungen in England, und mittendrin John Dee. Wegen der brodelnden Religionskonflikte im Land kann er nicht einfach so nach Glastonbury reisen und dort nach den Knochen von Artus suchen, die er ohnehin für eine Fälschung hält. Im Ort sind die Menschen misstrauisch und zurückhaltend, und es kommt noch schlimmer. Zu Beginn, so muss ich ehrlich gestehen, hatte ich einige Schwierigkeiten, in die Geschichte hereinzufinden. Es fiel mir ein wenig schwer, dem Schreibstil des Ich- Erzählers zu folgen, der von Dees Erlebnissen berichtet. Zuweilen ist er kompliziert und verschachtelt, und die Gedankengänge erschienen mir zu Beginn nicht immer vollkommen nachvollziehbar. Doch je mehr ich las, desto besser kam ich mit John Dee zurecht, desto besser konnte ich mich in ihn einfühlen, betrachtete gleichsam durch seine Augen den Beginn von Elisabeths Herrschaft und die Veränderungen im Land, beobachtete, wie seine Nachbarn und die anderen Menschen im Dorf ihn mit einer Mischung aus Furcht, Respekt und Misstrauen betrachteten, ihn, der in Europa ein gefeierter Gelehrter war. Und mit jeder Seite, mit jedem Kapitel wurde es spannender, dabei zuzusehen, wie John Dee sich in Glastonbury durchschlägt; denn neben der Suche nach den Gebeinen von König Artus bekommt er bald noch eine ganze Menge mehr zu tun. Im letzten Drittel des Buch war es unmöglich für mich, es aus der Hand zu legen, ja, auch nur davon aufzublicken, sodass ich es in einem Rutsch zu Ende gelesen habe. Die Auflösung präsentiert sich dann mit zweierlei Eigenschaften. Einerseits kommt sie vollkommen überraschend; ich für meinen Teil hätte dieses Ende, diese Auflösung der ganzen Geschehnisse in Glastonbury nicht erwartet; und dies führt dann auch gleich zur zweiten Eigenschaft. Lesern „guter alter Krimis“ erscheint diese Auflösung möglicherweise ein wenig zu überraschend. Es gab im ganzen Verlauf der Geschehnisse keine Andeutung darauf, dass es dieses Ende nehmen könnte, und auch, wenn die Auflösung in sich nicht unlogisch oder an den Haaren herbeigezogen erscheint, fehlte mir das Gefühl, wenigstens schon geahnt zu haben, was in Glastonbury vor sich geht. Doch dies bleibt jedem Autor unbenommen; und davon und von den Einleseschwierigkeiten abgesehen, ist „Die Gebeine von Avalon“ ein spannender und unterhaltsamer historischer Krimi – durchaus eine Reise ins England zur Tudor-Zeit wert. Und wenn man daraus auftaucht, dann bleibt fast das Gefühl zurück, man sei wirklich selbst dabei gewesen.
Phil Rickman "Die Gebeine von Avalon" Rowohlt Polaris, Gebunden, 640 S. ISBN 978-3862520015
Nicole Bachmann: Inzidenz Von Anne Spitzner
„Inzidenz“ ist der zweite Fall von Lou Beck, Nicole Bachmanns Ermittlerin. Erzählt aus der Ich- Perspektive einer sympathischen, wenn auch irgendwie kaputten Heldin, nimmt er den Leser mit auf Lous Ermittlungsweg, lässt ihn gemeinsam mit ihr heraufinden, weswegen Gian, ihr Freund, sterben musste, und wer noch alles etwas vor ihr zu verbergen hat. Dennoch dauert es einen Moment, bis „Inzidenz“ einen so sehr gefangen nimmt, dass man das Ende kaum noch abwarten kann. Das tut es, aber leider erst ab der Mitte des Buches; vorher erscheinen Lous Trauer, ihre Beziehungsprobleme mit ihrem Freund und die ersten zaghaften Versuche, Licht ins Dunkel zu bringen, ein wenig banal. Erst später nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf, Lou verfolgt parallel mehrere Fährten, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Das Ende kommt überraschend. Es stellt sich heraus, dass keiner der „üblichen Verdächtigen“ schuld an Gians Tod ist, jedenfalls nicht direkt, sondern einer von denen, die Lou geholfen haben, mehr über das Ende ihres Freundes herauszufinden. Diesem Ende fehlt es, anders als manch anderen überraschenden Wendepunkten, ein wenig an Realitätsnähe. Es ist spannend, sicher, und man ist als Leser froh, als die Heldin endlich alles überstanden hat; aber auf den zweihundertfünfzig Seiten zuvor hat es lediglich einen einzigen Hinweis darauf gegeben, der außerdem noch auf die Eifersucht von Philipp, Lous Freund, zurückgeführt werden könnte. Die Lösung des Falls, das Motiv für das Verbrechen, alles kommt verdammt schnell und wirkt in seiner Plötzlichkeit leider ein wenig aus der Luft gegriffen. Abgesehen davon, und wenn man erst einmal über die erste Hälfte des Buches hinaus gelesen hat, macht Nicole Bachmanns Krimi viel Spaß. Die Figuren sind mit viel Tiefgang und Liebe – manchmal ein wenig zu detailiert – beschrieben, und abgesehen vom plötzlichen Ende gibt es keinerlei Logikbrüche in der Handlung. Die „privaten Geschichten“, die nebenher laufen, wie die Probleme mit Philipp, sind zwar präsent, werden aber nie aufdringlich, und – was noch wichtiger ist – sie werden nicht überdramatisiert, wie es sonst leider häufig der Fall ist. Wohltuend ist auch der Umgang mit den wissenschaftlichen Themen in Bachmanns Krimi; es geht um Umweltgifte, Chemie, aber auch um viel Statistik, und obwohl dies ein Thema ist, das den meisten einen Schauer über den Rücken laufen lässt, schafft Nicole Bachmann es, die komplizierten Sachverhalte so völlig selbstverständlich und glatt zu beschreiben, dass man sich gar nicht daran stören kann, auch wenn man die Materie nicht kennt. Wenn man also einen Krimi mit völlig normalen Leuten lesen würde, deren Leben nicht immer nach Plan läuft, die sich in vielen Situationen hilflos fühlen und die am Ende von ihren eigenen Ergebnissen überrollt werden, dann ist „Inzidenz“ die exakt passende Lektüre. Und für jemanden, der einfach einen gut recherchierten Krimi lesen will, auch.
Nicole Bachmann: Inzidenz 393 Seiten, 18,90 Euro salis Verlag 2011 ISBN 978-3905801392
Ein Debüt, das nicht wie eines wirkt Marko Kilpi: "Erfrorene Rosen" Von Anne Spitzner
Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten jedoch eine ganze Menge: Olli Repo, Polizeianwärter, muss sein Praktikum in seiner Geburtsstadt absolvieren. Einer seiner ersten Einsätze dabei findet bei einer Bombendrohung in einem Kaufhaus statt. Zumindest diese Zusammenhänge wären nun also geklärt; doch in „Erfrorene Rosen“, dem packenden Debüt von Marko Kilpi, gibt es noch ganz andere Fäden, die sich ineinander und umeinander wirren. Denn Olli hat nicht nur Probleme mit seinem ersten richtigen Fall, der sich plötzlich größer darstellt als ursprünglich gedacht. Er hatte seine Heimatstadt verlassen, um seinem Vater zu entkommen, hat weit entfernt eine Freundin und einen Sohn, von denen sein Vater nichts weiß. Jetzt stehen sie sich plötzlich wieder gegenüber – fremd, auseinandergelebt, einander verhasst. Mit seinem neuen Kollegen, Tossavainen, gerät Olli zu Beginn beinahe aneinander, doch sie arrangieren sich schnell. Tossavainens Ruhe und Erfahrung helfen Olli, trotzdem können sie ihn nicht vor allem beschützen: vor übereilten Schlussfolgerungen, vor Rüffeln von Vorgesetzten – auch vor seinem Vater nicht. Der Leser erlebt Ollis erste Zeit bei der Polizei hautnah. Olli fragt, was der Leser wissen will, erhält verwirrende Antworten und sieht nur langsam klar. Olli, der Aussteiger, der Flüchtling, der sich seinem Vater und seiner Vergangenheit stellen muss: der Leser steckt in seinen Schuhen, geht jeden Schritt mit, jeden nach vorn und jeden zurück. Durch Kilpis in der Gegenwartsform gehaltene Erzählung sieht man Olli über die Schulter, ohne jedoch seine Gedanken weit genug vom Protagonisten lösen zu können, um eigene Schlussfolgerungen ziehen. Der Fall rückt immer weiter ins Blickfeld, und Ollis Vergangenheit verstrickt sich immer weiter hinein: woher weiß sein Vater von der Bombendrohung, woher kennt er die Motive des Täters? Überraschende Wendungen, fantasievolle Polizeibeamte, die nicht nur Routineermittlungen abhaken, Anfänger- Schwarzweißdenken neben erfahrenen Grautönen, all das verflicht sich in „Erfrorene Rosen“ zu einem Bild, das den Leser nicht mehr loslässt. Am Ende gelingt es Kilpi, beide Erzählstränge, den beruflichen und den privaten, zu einem Finale zu führen, einem vom Schicksal bestimmten Ende, nachdem im Buch viel darüber diskutiert worden ist, ob es so etwas wie Schicksal überhaupt gibt. „Erfrorene Rosen“ bindet den Leser durch seine Spannung, die Handlungen führen auf ein Ende zu – ob es ein happy end ist, bleibt der Interpretation des Lesers überlassen. Das Finale lässt den Leser gewissermaßen in der Luft hängen, womöglich als Antwort auf die Frage, ob es Schicksal gibt. Der Täter und Ollis Vater, beide haben sie Einfluss auf sein Leben genommen, letzterer mehr als ersterer; doch schließlich endet dieser Einfluss – und Olli muss sein Leben selbst in die Hand nehmen. Mit „Erfrorene Rosen“ ist Marko Kilpi ein Debüt gelungen, das nicht wie eines wirkt. Es macht eher den Eindruck, als kenne man Olli Repo schon aus fünf Vorgängerromanen; sein Schicksal, seine Art, sie bleiben haften. Es dauert lange, bis die „Erfrorenen Rosen“ aus dem Gedächtnis wegtauen.
Erfrorene Rosen Marko Kilpi 284 Seiten, 8,99 Euro Grafit Verlag ISBN 978-3894255664
Es kommt der Moment im Buch Paul Grote: Der Champagnerfond Von Susan Müller
Sein Chef Langer stellt erst eine neue Sekretärin ein, die dem lang allein lebenden Philipp, den Kopf verdreht und spricht ihn dann auch noch auf eine neue Aufgabe innerhalb der Firma an. Er soll in Frankreich die Lage und die Gegebenheiten für einen Fond checken und sich mit den Weinhändlern treffen, mit denen ihn teilweise gar eine Freundschaft verbindet. Das alles wird mehr und mehr zu einem Albtraum, der immer mehr Verwirrung in Philipps Leben stiftet. Als er die Weinkeller besuchen will und den Verantwortlichen Torraine sucht, ist der angeblich noch nicht vor Ort, wird aber wenig später von Philipp im selben Ort ausfindig gemacht. Sein Chef selbst erwähnt immer noch einen noch größeren Drahtzieher, Goodman, der Bankier ist. Beide sollen diejenigen sein, die finanzieren und bestimmen sollen. Philipp soll sich lediglich einen Überblick in Frankreich verschaffen und alles wird immer mysteriöser und ungereimter. Er setzt sich mit befreundeten Winzern in Verbindung, die ihm Auskünfte beschaffen sollen und er weiht seinen Sohn Thomas ein. Langer wiederum, dem Philipp von seinem Anfangsverdacht der Korruption erzählt, beschwichtigt und schwächt das ganze ab. Thomas fährt mit in in die Weinberge von Frankreich und macht sich selbst ein Bild von der Lage und um seinen Vater zu unterstützen. Die Lage um einen tödlichen Unfall von einem Informanten lässt die Situation ständig in einem anderen Licht erscheinen und sie wird von Mal zu Mal gefährlicher. Schlimmer für ihn, dass auch Thomas in die Reichweite der Betrüger gerät. Philipp lässt nichts unversucht, die Gaunereien aufzudecken. Nachdem er durch untergeschobene kriminelle Aktivitäten die Firma verlassen und „ausreisen“ muss, und auch noch Thomas entführt werden soll und es zu einer Schlägerei kommt, ermittelt er mit Thomas´Hilfe und der eines Staatsanwaltes und seinen französischen Freunden in eigener Regie und löst bis ins Detail auf und lässt den verbrecherischen Champagnerfond auffliegen, und den Anlegern die Augen öffnet. Ein spannendes Buch, das mit jeder Seite mehr davon aufzuweisen hat. Es wird erstaunlicherweise auch nicht zu viel Information rund um die Weinherstellung und deren Besonderheiten, die nebenbei beschrieben werden und auch die Anzahl der Personen ist nicht unübersichtlich. Es kommt der Moment im Buch, da möchte man gleich bis zum Ende durchstarten, ob es Philipp gelingt, die Verbrecher zu überführen und vor allem wie. Paul Grote hat Weinanbau und Fondsbesonderheiten sowie vorkommende dunkle Machenschaften in der Wirtschaft gut miteinander vereint.
Paul Grote: Champagnerfond Taschenbuch, 400 Seiten, Euro 8,95 Deutscher Taschenbuch Verlag 2010 ISBN: 978-3423212373
Franziska Gehm: "Tränenengel" Von Susan Müller
Bleibt die Frage aller Fragen, warum, weshalb, wieso? Wer hatte ein Motiv? Erinnert es nicht gar an etwas Ritualähnliches? Sälzer und Masaryk beginnen in Floras Umfeld. In der Schule und daheim. Sie suchen Zeugen. Eine Frau mit einem Hund, die ein Liegerad vorbeifahren sah. Der Rentner, der „nur“ die zugerichtete Flora fand, aber sonst nicht verdächtiges bemerkt hat. Ein gutes Stück Arbeit kommt auf die beiden Kommissare zu. Und das Schlimmste und zu allem Überfluss: Flora kann sich an nichts erinnern und spricht daher nicht. Auch ihre beste Freundin Trixi kommt nicht an sie heran. Tage nach der Tat besucht ihr Freund Andro Flora, doch auch ihm gegenüber erwähnt sie außer der fehlenden Erinnerung nichts. Sie sucht nur seine Nähe und Halt, er wiederum hat wenig Ahnung, wie er damit umgehen soll. Ihre Wunden körperlich wie seelisch lassen ihn zögernd reagieren. Sälzer und Masaryk finden den Liegeradfahrer. Es ist Patrick aus Floras Parallelklasse. Er schwärmt schon lange für Flora, aber diese wies ihn ab. Sein Vater W. Felber hat einen Gnadenhof für Tiere und daher eilt ihm der Felber-Ruf voraus. Nach längerem Hin und Her bekennt Patrick am unseligen Abend am See gewesen zu sein und Andro und Flora im Streit beobachtet zu haben. Andro sei dann aber wütend davongefahren. Er selbst sei am anderen Ufer gewesen und irgendwann heim gefahren. Da hatte ihn ja auch jemand gesehen. Die andere Seite des Ufers hatte er nicht aufgesucht. Andro, mit dieser Aussage konfrontiert, präsentiert Ivana als Alibi. Sie habe er besucht und wäre geblieben, da er Floras Stimmungsschwankungen nicht mehr ertrug. Plötzlich sind da noch Götz und Hagen, der eine Freund von Floras Mutter, der andere dessen Sohn. Als Trixi sich in letzteren verliebt und auch Andro die Beziehung zu Flora beendet, wenn auch mit sehr schlechtem Gewissen, ob ihres Zustandes, schwärzt und zeigt Flora Hagen an. Der weiß nicht, wie ihm geschieht, aber verliert dadurch Trixi. Bis diese bei einer Shopping Tour mit Flora hinter deren düsteres Geheimnis kommt. Sie war es selbst und hat sich alles selbst beigefügt und schlug für sich damit mehrere Fliegen mit einer Klappe. Sie bekam Aufmerksamkeit, wurde Götz und Hagen aus der Familie und als Freund ihrer Freundin los und hoffte auf Andros Mitgefühl. 'Das Blut, was aus den Wunden tritt, ist wie Tränen, die sie nicht vergießen kann.' Ein Tränenengel eben. Fassungslosigkeit gegenüber der Tat macht sich in Trixi breit und ein wegen einer ähnlichen Tat verurteilter Lehrer wird seinen Fall wieder aufrollen lassen. Kein Leser, insofern er nicht manchmal quer liest oder von hinten beginnt, kommt auf die Idee, Flora... . Denn Franziska Gehm beherrscht das Spiel zwischen möglichen Verdächtigen hervorragend. Spannung bis buchstäblich zur vorletzten alles erklärenden Seite.
Franziska Gehm: Tränenengeldtv 2010 288 S., Euro 6,65 ISBN 978-3423782432
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