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Reportage!

Krimikon-Reporter unterwegs

 

Mercedes Benz in Berlin, bei der Hauptniederlassung. Das ist ein tragisches Gebäude. Vollkommen willkürlich und aussagelos läuft Wasser an Wänden herunter. Man geht über breite Bretter, weil unter einem das Wandwasser in ein 10 cm tiefes Becken mündet. In den siebziger Jahren hättet dort ein Goldfisch gelebt, aber heute wäre das zuviel Leben; es würde an etwas erinnern, woran hier niemand denken möchte, Verantwortung für etwas oder gar Deformation, denn diese Goldfische sehen ja meist aus, als wären sie neben einem Atomkraftwerk aufgewachsen, die Farben stimmen oft nicht, die Größe auch nicht, schnell haben sie etwas von einem schwimmenden Geschwür. Es gibt sie also nicht im Becken, aber die Kunden, die in diesem Autohaus herumlaufen, sie ersetzen zum Teil die Goldfische. Wer will für sie die Verantwortung übernehmen? Die Frauen, die hier arbeiten, sehen irgendwie gut aus, sie haben etwas von Stewardessen. Aber sie bringen nie den Kaffee, den man bestellt hat. Ein Café gibt es hier, Kunden, die Autos kaufen, bekommen Gutscheine, dann zahlt Mercedes den Capuccino, den man nie bekommt. Die Herren in den Anzügen gehen genau wie wir unverrichteter Dinge wieder weg, das ist ihnen lange nicht passiert. Uns schon. Es sind wir, die Mercedes raten, dann lieber gar kein Café zu betreiben als ein solches. Denn nicht bedient werden, das muss gekonnt gemacht werden, und die hier machen es sehr, sehr schlecht. So verdirbt sich eine Automarke den Ruf.

Aber was ist das überhaupt für eine Automarke? Die meisten Modelle werden von Menschen gefahren, die man wohl als Gewinner bezeichnen muss. Die Männer verdienen gutes Geld. Sie sehen aus wie die Typen, die die kleinen erfolgreichen Klitschen führen, die Monat für Monat viel abwerfen. Die dazugehörigen Frauen erregen noch dieses alte Mitleid, was man mit Frauenleben aus dem 19. Jahrhundert hat. Ein wohliges traditionelles Gefühl, aber es fällt eben aus der Zeit. Heute hören ihnen nicht nur die Damen beim Tee zu, heute haben sie Wellnessbetreuer und Homoöpathinnen. Andere Frauen sind die Singlefrauen, die hart geschuftet haben, um sich nun ihren geleasten Smart abzuholen. Sonst noch Wesen dort? Nur ich, die  Reporterin.

 

Es ist der Moment, zu dem die krimikon-Reporterin ihren Auftrag beendet und damit ihren Bericht. So leidensfähig sei sie nun doch nicht. Dann lieber Krisengebiet.  

 

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Befreundete Intellektuelle

Wir freuen uns auf das BMW Cabrio!

 

(krimikon) Wir freuen uns auf das BMW Cabrio! Schluss mit den kleinen, sportlichen, dachlosen Flitzern, die für rasante Frauen und verkümmerte Männer. Wir warten ungeduldig auf das große Cabrio von BMW! Alles, was wir schon jetzt wissen, lässt unser Herz wummern. Der schon bei Testfahrten bekannte Felgen- und Reifenverschleiß bei diesem Cabrio löst nichts als Freude bei uns aus. Die Maße so groß, der Radstand so lang, dass selbst geübte Fahrer sie kaputt gefahren haben - das BMW6er-Cabrio ist ein großzügig dimensioniertes Cabrio. Endlich mal wieder ein Automobil, das in keine Parklücke passt - wozu auch? Dieses Auto will gefahren werden. Am besten kann man die Qualität des Fahrzeugdesigns erkennen, wenn man einen befreundeten Intellektuellen mit auf eine Fahrt mitnimmt. Wenn der befreundete Intellektuelle sich störrisch zeigt oder bei der Fahrt über die Leopoldstraße verschämt die Hand vors Gesicht hält, damit ihn keiner erkennt, dann ist es ein Auto für Angeber. Wenn das Auto den Schritt weitergeht, so dass der befreundete Intellektuelle sich nicht mehr schämt, weil es für ihn so absurd ist, in einer solchen Schüssel zu fahren, dann weiß man, dass Aussehen und Dimension gerade richtig sind. Das neue BMW6er Cabrio kommt dem schon ganz nahe. Vernünftig ausgestattet und motorisiert , das sind wir von BMW ja gewohnt. Aber endlich schließt sich die Lücke nach oben, so dass man auch wieder Urlaub mit dem Cabrio machen kann. Ob man das Cabrio aber ernsthaft fahren kann, lässt sich leider erst in der Zukunft abschätzen, ob die FC Bayern-Spieler damit heimlich durch München röhren (FC Bayern-Sponsor: Audi). Dann verbietet sich das Auto von selbst, und damit ist zu rechnen.

 

BMW 6er-Cabrio

Markteinführung: 2. April 2011

• Türen: 2

• Sitzplätze: 4

• Maße:

Länge: 4,89 Meter

Breite: 1,90 Meter

Höhe: 1,36 Meter

• Motoren: Benzinmotoren: 2i Versionen: Reihen-6-Zylinder mit 320 PS; V8 mit 408 PS.

• Fahrleistung: Von 0 auf 100 km/h in 5,0 bzw. 5,7 Sekunden.

• Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (elektronisch geregelt).

• Verbrauch: 7,9 bis 10,7 Liter (Werksangabe). CO 2 -Ausstoß 185 bzw. 249 g/km.

• Preis: ab 83.300 Euro

 

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Spielplatz mit Explosionen

Das Schweizer Dandy-Magazin ist zum Eingehen verurteilt – bis dahin aber macht es Spaß

von Jan Fischer

 

Jeder Mensch braucht einen Spielplatz. Auch Journalisten. Man kann ja auch schon mal bekloppt davon werden, wenn einem ständig jemand erzählt, ein Artikel müsse nach dem „Schema der umgekehrten Pyramide“ aufgebaut sein, damit hinten problemlos weggekürzt werden kann, außerdem müssten alle W-Fragen im ersten Absatz beantwortet werden. Stilistische Experimente? Vielleicht den Artikel selbst zu so etwas wie einem kleinen Kunstwerk machen? Nein, das verstünde der Leser wieder nicht. Marktkompatibilität. Massengeschmack. Man müsse ja Geld verdienen, und der Leser, dieses scheue Reh, spränge beim ersten unvermittelten Zucken einfach weg, und käme nie wieder.

Kurz: Es ist zwar nicht immer so, aber es gilt die Regel: Je größer das Blatt, desto enger das Korsett, in das die Textlieferanten sich selbst pressen müssen. Praktisch, muss es sein, lesbar, konsumierbar.

Da ist es ganz schön, wenn einem so etwas völlig unpraktisches, streckenweise unlesbares und vor allem nur schwer zu konsumierendes wie das „Dandy-Magazin“ in die Hand fällt. Es ist schlicht ein völlig unzweckmäßiges Magazin, an dem alles herausschreit, dass es zum Scheitern verurteilt ist: Das Layout schwankt zwischen Hochglanzzigarrenclubzeitschrift und kunstvoll verbauter Dada-Typographie. Die Texte schwanken zwischen Genie und Wahn: In einem geht es um  - guter Standard – eine Saline an der Atlantikküste, erzählt allerdings aus der Sicht eines Salinenkrebses. Und das ist kein Einzelfall: Solche eigenartigen Texte könnte man noch eine ganze Weile lang aufzählen, beeindruckend ist das vor allem, weil es bis jetzt nur drei Nummern des Magazins gibt.

„Ein Dandy“, erklärt Oliver Schramm, der Gründer des Magazins dem Tagesanzeiger,  „geht seine eigenen Wege, sei es in der Kunst, im Leben oder in der Liebe.“ Herausgegeben wird das Magazin von einer Gruppe, die sich „Cycling Dandys Zürich“ nennt, eine, wieder Oliver Schramm: „Radsportgruppe“, die in gestrickten Trikots und Seidenfoulards zu Rennen antritt.

Und wie es sich für einen richtigen Dandy gehört, gibt das Magazin nicht viel auf althergebrachte politische Einstellungen, sondern schrammt in wütenden Artikeln gegen die Stillosigkeit der Politik mal rechts, mal links am Mainstream vorbei, und glorifiziert ansonsten vor allem gutes Essen, gute Weine und gutes Aussehen, aber ohne die Plattheit eines Magazins wie Men's Health, gegen das auf der letzten Seite der dritten Ausgabe ausgiebig gewettert wird.

Und so ist das „Dandy-Magazin“, was es ist: Eine Sammlung eigenartig experimenteller Texte und Bilder, ein Spielplatz für alle Sorten Schreiber, Fotografen und Layouter. Es wird sich ausgetobt. Das geht manchmal nach hinten los, wie jedes Experiment einem eben manchmal um die Ohren fliegt, aber eine gute Explosion ist ja auch ganz unterhaltsam.

 

Das «Dandy Magazine» kann für CHF 10.- kann online bestellt werden ( plus Porto CHF 2.- ):

http://www.dandymagazine.ch/online/#anzeige_7

 

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Stilkritik: Rettungsschirm

Von Miriam Schneider

 

Ein Schirm ist ein wichtiges Accessoire mit einer langen Geschichte. Moden ist er unterworfen, auch seine Größe. Mal konnte er nicht groß genug sein, mal hatte man seinen Knirps dabei, klein und patent. Nicht jeder Mensch macht mit einem Schirm eine gute Figur, im Gegenteil: Die meisten Menschen können sich mit einem Schirm gar nicht sehen lassen.

Dazu gehören leider die meisten Politiker, denn wer von Welt ist, der wird eben nicht Politiker.

Darum war es auch so leicht für die, einen Rettungsschirm aufzuspannen. Wer zu einem Schirm keine Beziehung hat, ja, eine schlechte Beziehung hat, wer weiß: Schirme kann er sich nicht erlauben, das können nur andere, der ist eben schnell dabei, einen Schirm hinzuhalten. Doch die Handhabung eines Schirmes ist eine Kunst, die man beherrschen sollte. Und die kann man nicht von einem Tag zum anderen erlernen.

Herrenschirme sind nicht nur etwas zum Aufspannen, beileibe nicht. Man hebe seine Spitze auf die genau richtige Art vom Boden ab, zwirble ihn leicht durch die Luft und lasse ihn wieder auf den Boden zurücksinken. Mit Nutzen hat das nichts zu tun, nur mit Charme. Damenschirme wurden immer auch genutzt, um unliebsamen Typen eines über die Rübe zu hauen.

Damit sind wir in den Niederungen angekommen, in die wir wohl gehören. Denn gedacht haben die Herrendamen an den Regenschirm, denn nur den kennen sie, aber im Munde geführt haben sie den Rettungsschirm, der hat was mit Fallschirmspringen zu tun. Doch damit haben sie wiederum nichts zu tun. Freier Fall ist nichts für Menschen, die für sich beanspruchen immer weich zu fallen. Irgendein Job ist immer da, bei dem man seine Kontakte spielen lassen kann (was wenig honorabel ist). Also hat man sehr romantische Vorstellungen vom Fallen und vom Rettungsschirm, die nah am Regenschirm sind. Aufspannen und langsamer zu Boden gleiten. Mary Poppins. Und sanft landen.

Aber landen! Am Boden! Daliegen, hilflos. Was für ein Rettungsschirm, was für ein Schirm! Er hat alles nur verlängert, und geholfen hat er nichts. Wer den Schirm nicht als Accessoire kennt und zu nutzen weiß, der sollte ihn  gar nicht nutzen.

 

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ISSN: 2191-527X